SOZIALES: Bürgerarbeit: 350 Plätze im Havelland ? Staatssekretär und Mitarbeiter der Jobcenter diskutieren Strategien
RATHENOW - Es ist schon einige Zeit her, als das Bundesverfassungsgericht entschieden hatte, dass die Mischverwaltung aus Kommunen und Bund in den Arbeitsgemeinschaften zur Betreuung von Langzeitarbeitslosen nicht mit dem Gesetz vereinbar ist. Inzwischen sind alle, die mit der Versorgung und der Integration von Langzeitarbeitslosen zu tun haben, froh, dass die Veränderungen, die sich aus dem Urteil ergeben, ohne Hast umgesetzt werden können. „Wir erinnern uns noch daran, wie wir im Jahr 2004 die Arbeitsgemeinschaften im Schnellverfahren installieren mussten“, sagte Hans-Joachim Fuchtel. Er ist Staatssekretär bei Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und diskutierte gestern in Rathenow mit Vertretern des Integrations- und Leistungszentrums Havelland sowie anderer Arbeitsgemeinschaften, wie sich die Veränderungen auswirken. Eingeladen hatte die Bundestagsabgeordnete Andrea Voßhoff. Bei dem Gespräch waren neben den Vertretern der Hartz IV-Arbeitsgemeinschaften auch Kreissozialdezernent Wolfgang Gall, der Landtagsabgeordnete der CDU, Dieter Dombrowski und der Vorsitzende der Kreistagsfraktion Michael Koch dabei.
Fuchtel sagte, dass die Veränderung in der Struktur der Betreuung für Langzeitarbeitslose nun Schritt für Schritt vorgenommen werden könne. Mit Blick auf das Integrations- und Leistungszentrum Havelland ging er auch darauf ein, dass hier der Wunsch besteht, als Optionskommune künftig alleine für die Erledigung dieser Aufgaben zuständig zu sein. Landrat Burkhard Schröder hatte das bei einer Sitzung des Kreisausschusses aufgezeigt. Zunächst, so Fuchtel, seien die Länder für die Anträge zuständig. „Sobald wir die Anträge vorliegen haben, werden die Kommunen, die das gerne alleine machen wollen, überprüft. Dann fällt eine Entscheidung.“ Der Staatssekretär rechnet damit, dass bis Mitte des kommenden Jahres feststeht, wer zu den bereits bestehenden Optionskommunen hinzukommt. Aus dem Land Brandenburg werden es höchstens zwei zusätzliche Landkreise sein.
Ein anderes Thema, das gestern im Rathenower Rathaus sehr ausführlich besprochen wurde, waren die Instrumente, mit denen Langzeitarbeitslose wieder zurück auf den Arbeitsmarkt gebracht werden sollen. Dabei soll das Hauptaugenmerk nun nicht mehr nur auf älteren und jüngeren Arbeitslosen liegen. „Wir wollen uns auch ganz intensiv mit Alleinerziehenden befassen“, sagte Fuchtel.
BÜRGERARBEIT BALD AUCH IM LANDKREIS HAVELLAND?
**Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wurde auch die weitere Erprobung der BüRGERARBEIT verankert. Bis Ende Mai 2010 konnten die Jobcenter bundesweit ihr Interesse bekunden, am Projekt BüRGERARBEIT teilzunehmen.
Die Palette der anzubietenden Tätigkeiten reicht von Helfertätigkeiten im sozialen Bereich bis hin zur Mitarbeit im Heimatverein. Alle Tätigkeitsfelder werden mit den regionalen Arbeitsmarktakteuren detailliert abgestimmt, um eine negative Einflussnahme auf den ersten Arbeitsmarkt auszuschließen.
Der Monatsverdienst wird 900 Euro brutto für eine Beschäftigung mit 30 Wochenstunden betragen.
Begleitet wird diese Beschäftigung durch ein qualifiziertes, individuelles Coaching, welches ebenfalls durch die Wirtschaftsministerien beider Länder kofinanziert wird. Ziel bleibt hier die Verbesserung der Chancen im regulären Arbeitsmarkt. wil
Eines der Instrumente ist die so genannte Bürgerarbeit. „Wir wollen rund 350 Stellen mit diesem Instrument im Landkreis Havelland besetzen“, kündigte Dennis Granzow, Geschäftsführer des Integrations- und Leistungszentrums Havelland an. Im gesamten Wahlkreis von Andrea Voßhoff könnten bis zu 1000 Bürgerarbeitsplätze entstehen. (Von Joachim Wilisch)
07.09.2010, 09:28 Uhr |